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Formelle Anerkennung der Kompetenz einer Einrichtung (ursprünglich eines Prüflaboratoriums), bestimmte Prüfungen oder Prüfungsarten auszuführen.
Aus dem Englischen stammender Begriff, dem im Deutschen „Revision“ oder „Überprüfung“ entspricht. Auf dem Gebiet der Qualitätssicherung nach den einschlägigen Normen (z.B. ISO-Normenreihe 9000ff) ein durch eine externe Stelle erfolgendes Begutachtungsverfahren von Unternehmen bzgl. der Einhaltung von Qualitätssicherungs-Normen bzw. der im Qualitätssicherungshandbuch des Unternehmens festgelegten Qualitätspolitik (siehe ® Qualitätsaudit). Ein Auditverfahren ist auch KTQ.
siehe Obduktion
Benchmarking:
Ein Verfahren zum Vergleich eines Angebotes mit den besten anderen (benchmarks = Höhenmarken) nach einem festgelegten Vergleichsschema. Verglichen werden können Prozesse, Systeme, Produkte und Dienstleistungen bezüglich der Kriterien Kosten, Qualität, Zeit, Kundenorientierung, Zufriedenheit etc.
Bundeskuratorium für die Qualitätssicherung bei Fallpauschalen und Sonderentgelten:
Entscheidungsgremium für verbindlich festgelegte Qualitätssicherungsmaßnahmen. Mitglieder sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Spitzenverbände der Krankenkassen.
CAQ:
Computer Aided Quality assurance. Einsatz computergestützter Informationssysteme (z.B. Expertensysteme) im Produktionsprozeß, die die Qualitätssicherung unterstützen sollen. Siehe auch Watch dog-functionCBO:
Centraal Begleigingsorgaan voor de interkolligiale Toetsing. Organisation der Niederlanden für die Qualitätssicherung im Krankenhaus. 1979 gegründet von der Nationalen Organisation der Fachärzte und der Vereinigung der Krankenhausdirektoren infolge eines Berichtes über den Sachstand der Qualitätssicherung in den niederländischen Krankenhäusern. Da in den Niederlanden die fachärztliche Versorgung fast ausschließlich in Krankenhäusern angesiedelt ist, ist die CBO damit gleichzeitig für die Qualitätssicherung im fachärztlichen Bereich zuständig.CEN:
Comité Européen de Normalisation. Europäische Normierungsbehörde ähnlich DIN und ISO.CQI:
Continuous Quality Improvement. Fortwährende Verbesserung der Qualität.
Deutsches Institut für Normung e.V.. Das DIN ist auf der Basis eines Vertrages mit der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich für die Normungsarbeit in Deutschland. Das DIN koordiniert ferner die Normungsaktivitäten auf internationaler Ebene und ist diesbezüglich „nationale Spiegelorganisation“ zu ISO und CEN.
Dokumentation:
Niederschrift oder technische Protokollierung von medizinischen Handlungen und Ereignissen. Man unterscheidet oft freitextliche Dokumentation von kodierter Dokumentation (z.B. mit der Internationalen Klassifikation der Diagnosen ICD). Die Dokumentation ist Grundlage jeglicher Aussagen zur Qualität.
DRGs:Diagnosis Related Groups. Fallgruppenbezogene Zuordnung und Abrechnung der in Anspruch genommenen Leistungen in Behandlung, Pflege, Verwaltung etc. im Rahmen der stationären Krankenhausversorgung (Fallpauschalen). Die Fallgruppenbildung soll nach medizinisch sinnvollen Kriterien (Krankheitsart) erfolgen. Grundlage der Entgelte sind die Daten der Kosten- und Leistungsrechnung und der medizinischen Dokumentation. Die Fallgruppen sollen hinsichtlich der in Anspruch genommenen Leistungen, vor allem der Verweildauer, homogen sein. DRGs sollen bis 2003 als Abrechnungssystem im deutschen Krankenhaussektor eingeführt werden. Es existieren verschiedene Ausprägungen dieses Systems (z.B. in Frankreich oder Australien) sowie unterschiedliche Korrekturverfahren (z.B. AP DRGs). Wie alle pauschalisierenden Systeme erfordern DRGs flankierende Maßnahmen zur Absicherung der Qualität der Leistungserbringer und Patientenflüsse.
EBM:
Evidence-Based Medicine. Systematischer Gebrauch der gegenwärtig besten wissenschaftlichen Erkenntnis für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung des individuellen Patienten.
EFQM:Europaen Foundation of Quality Management. Freiwillige Vereinigung auf europäischer Ebene zur Förderung des Qualitätsmanagements. Ein Schwerpunkt ist die regelmäßige Selbstanalyse der Prozesse im Unternehmen/in der Organisation und deren Bewertung.
Empfehlungen:
Die Beschreibung einer Möglichkeit des Handelns oder Unterlassens. Eine bereits in Fachkreisen konsentierte Empfehlung stellt häufig die Vorstufe einer Leit- bzw. Richtlinie dar. Obwohl Empfehlungen einen wesentlich geringeren normativen Charakter haben als Leit- oder Richtlinien, kann das Nichteinhalten unter Umständen – je nach Breite des erzielten Konsenses bzw. der Angesehenheit einzelner Experten – auch forensische Konsequenzen haben.
Ergebnisqualität (outcome quality):
Veränderungen des Gesundheitszustandes eines Patienten bzw. einer Bevölkerungsgruppe als Ergebnis bestimmbarer therapeutischer oder diagnostischer Maßnahmen bzw. Interventionen in die Versorgungsabläufe.
Bewertung der Wirkungen von Maßnahmen oder Verfahren (z.B. Auswirkungen auf die Patientenversorgung, auf das Wohlbefinden von Patient und Arzt, auf das ärztliche Selbstverständnis etc.) hinsichtlich vorher festgelegter Kriterien. Auch alle Verfahren zum Qualitätsmanagement müssen evaluiert werden, um ihre Leistung und Kosten im Kontext des Gesundheitssystems bewerten zu können.
Expertensysteme:
Computerprogramme, die Ratschläge und Wissen wie ein menschlicher Experte bereitstellen sollen. Die Forschung nach solchen Methoden läuft unter verschiedenen Überschriften seit den 50er Jahren. Bisher haben nur wenige Programme weitere Anerkennung gefunden – so z.B. in der automatischen EKG-Analyse oder der Abklärung eines akuten Abdomens. Siehe auch Watch dog-function
Externe Qualitätssicherung:
In Deutschland in der Regel Verfahren der systematischen, standardisierten
Datenerhebung und –auswertung, bezogen auf ganze Fachgebiete oder
Diagnosegruppen.
Beispiele:
Perinatologie, Neonatologie, Chirurgie, Herzchirurgie, Nierenersatztherapie.
Ähnliche Verfahren werden praktiziert für die Laboratoriumsmedizin und die
Radiologie.
Fachinformationsdienste:
Auskunftssysteme auf elektronischer oder Papierbasis, die Fakten- oder Literaturinformationen zu einer bestimmten Fragestellung bereitstellen können. Neben kommerziellen Anbietern gibt es nationale Einrichtungen, so das Deutsche Institut für medizinische Information und Dokumentation (DIMDI) oder in den USA die National Library of Medicine (NLM), die Dienste bereitstellen.
Fallpauschalen/Sonderentgelte:
Deutsche Version der Diagnosis Related Groups (DRG) bzw. Patient Management Groups. Bei Fallpauschalen werden sämtliche Behandlungsleistungen pro Fall mit festgelegten Sätzen vergütet während mit Sonderentgelten spezielle Leistungen vergütet werden. Da dieses pauschalierte Entgeltsystem die Gefahr sinkender Qualität der Versorgung in sich birgt, benötigt es als Korrektiv vermehrte externe Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Fehler:Unerwünschter Unterschied zwischen beobachteten, gemessenen oder berechneten Zuständen oder Vorgängen einerseits und wahren, festgelegten oder theoretisch korrekten Zuständen oder Vorgängen andererseits. Man unterscheidet Fehler nach ihrer Ursache oder nach dem Ereignis ihres Eintretens, aber auch nach dem Fehlerverhalten (vgl. DIN 44.300). Fehlerforschung war in den 50er Jahren eine der Wurzeln der späteren Qualitätssicherung.
Gesundheitsberichterstattung:
Sammelbegriff für verschiedenste Verfahren, den Gesundheitszustand einer Zielpopulation zu beschreiben. In der Regel werden statistische Verfahren aus der Epidemiologie verwandt.
Health-Accounting:
Freiwillige Qualitätskontrolle im Krankenhaus unter Mitwirkung der Patienten (USA, 70er Jahre). In strukturierter Gruppenarbeit werden Probleme herausgearbeitet. Insbesondere falsch positive und falsch negative Fälle der Diagnostik werden analysiert. Therapiekontrolle durch Vergleich des prä- und posttherapeutischen Zustandes.
Indikation:
Grund zur Durchführung einer diagnostischen oder therapeutischen Maßnahme im Kontext des jeweiligen Krankheitsgeschehens. Die korrekte Indikation und deren nachvollziehbare Dokumentation in der Patientenakte sind Ziel und Grundlage jeglicher Qualitätssicherung in der Medizin.
Indikator:siehe Qualitätsindikator
Interne Qualitätssicherung:siehe Qualitätssicherung
ISO:Internationale Standardisierungsorganisation. Deutsches Mitglied ist DIN. Die Länder der Europäischen Union müssen ISO-Normen übernehmen, wenn das Europäische Normierungskomitee (CEN) ebenfalls ISO-Normen übernimmt.
ISO 9000 ff:
Diese internationale Normenreihe stammt aus dem Ende der 80er Jahre und wird
weiter entwickelt. Sie gibt Empfehlungen zur Organisation, zum Aufbau, zur
Aufrechterhaltung, zur Dokumentation, zu internen und externen Kontrollen
sowie zur Zertifizierung von Qualitätsmanagementsystemen. Aussagen zur
Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung gehören nicht zum Inhalt
der Normen. Die Normen definieren den Prozess. Art und Niveau der Qualität
des Produkts bzw. der Dienstleistung bestimmt das zu zertifizierende
Unternehmen selbst, oder sie werden zwischen Nachfrager und Anbieter/Dienstleister
ausgehandelt. Akkreditierte Zertifizierungsstellen prüfen durch besonders
geschulte Auditoren im Unternehmen, ob die gesetzlichen und dokumentierten
Standards eingehalten werden und bezeugen dies durch Zertifikate.
Die ISO 9000 in der Ausgabe 2000 ist eine Weiterentwicklung dieser Norm mit
Berücksichtigung von Ergebnismerkmalen. Es ist der Versuch, die Normenreihe
leichter nutzbar zu machen und dabei auch die besonderen Anforderungen des
Dienstleitungssektors zu berücksichtigen.
Joint Commission on Accreditation of Hospitals; Gemeinsame Kommission für die Akkreditierung von Organisationen des Gesundheitswesens in den USA. Eine private Vereinigung ohne Gewinnzweck, die Regeln für den Betrieb von Gesundheitseinrichtungen erlässt, Umfragen durchführt und Akkreditierungen vornimmt.
Konsensuskonferenz:
Ablauf von Konsensuskonferenzen : (1) Bildung einer Vorbereitungsgruppe. (2) Themenauswahl und Zerlegung der Fragestellung in möglichst sich nicht überschneidende Unterthemen durch die Vorbereitungsgruppe. (3) Bildung eines Panels (zusammen 9-15 Experten, Anwender und Laien) und Verteilung der Unterthemen auf Panelmitglieder durch die Vorbereitungsgruppe. (4) Zusammenstellung des Stands des Wissens und der Erfahrungen durch die Vorbereitungsgruppe. (5) Breit gestreute Einladung zur Konsensuskonferenz mit ausführlichen Unterlagen über den Stand des Wissens und der Erfahrungen durch Panelmitglieder. (7) Offene Diskussion, eventuell in Arbeitsgruppen. (8) Versuch einer Konsensusfindung (inklusive „weiße“ Felder, zu erwartender Effizienz und Evaluationsstrategie) im Plenum. (9) Offizielle Bekanntmachung in einer Art konzertierter Aktion.
Klassifikationen:Schlüsselsysteme für Diagnosen und Therapien. In Deutschland wird z.Zt. gesetzlich die International Classification of Diagnoses (ICD) und der von der International Classification of Procedures in Medicine (ICPM) abgeleitete Operationsschlüssel nach § 301 SGB V (OPS-301) eingesetzt. Klassifikationen sind Ordnungssysteme. „Klassifizierung“ ist die Erstellung eines Ordnungssystems und „Klassierung“ die Einordnung eines Falles in ein Ordnungssystem.
Klinische Studien:Systematisches Verfahren zur Prüfung der Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten, Heilmitteln oder Interventionen. Klinische Studien (speziell Phase IV-Studien) sind unentbehrlich für die Qualität der Weiterentwicklung therapeutischer Maßnahmen. Sie gehören i.d.R. nicht zur internen Qualitätssicherung. Klinische Studien können Leitlinien begründen. Erst mehrere klinische Studien, die vergleichend ausgewählt worden sind (Netzanalyse) begründen einen neuen Erkenntnisschritt in der medizinischen Wissenschaft. Klinische Studien erfordern ein Höchstmaß an Datenqualität und eine Hypothese, die geprüft wird. Beides ist in der Regel in Datensammlungen im Bereich der Qualitätssicherung nicht gegeben. Qualitätssicherungsstudien können darum in der klinischen Forschung in der Regel nur als Hypothesenquelle verwandt werden.
Konformität:
Erfüllung festgelegter Forderungen
Eine durch Selbsterklärung festgestellte oder mittels (externer)
Zertifizierung bestätigte Konformität ist damit im Sinne der DIN EN
ISO-Normen nicht gleichbedeutend mit der Feststellung, ob und wie
vorausgesetzte oder festgelegte Erfordernisse bzw. Qualitätsforderungen
auch tatsächlich erfüllt werden. Sie bestätigt lediglich die vorhandene Fähigkeit,
die Erfordernisse potentiell erfüllen zu können. Die Feststellung, ob,
inwieweit und wie die Erfordernisse tatsächlich erfüllt werden, ist einem
gesonderten Verfahren vorbehalten. Im Gesundheitswesen z.B. durch
Soll-Ist-Vergleiche, eine Einheit mit vorgegebenen Referenzwerten oder
Bereichen (Vergleich mit einer qualitativen Vorgabe) oder durch Vergleich
mit empirisch ermittelten Daten aus allen Einheiten (Vergleich mit einer
statistischen Vorgabe).
Deutscher Begriff für CQI (= Continuous Quality Improvement).
Kosten (des Qualitätsmanagements):Alle Aufwendungen für qualitätssichernde Maßnahmen, die nicht zur persönlichen beruflichen Aktivität zählen, also etwa DV-Ausstattungen, Belege, Datenauswertungen, Einsatz von Spezialpersonal oder Beratungsdiensten, Moderatoren in Qualitätszirkeln etc.
KTQ:Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus. Ein von der Bundesärztekammer, dem Verband der Angestellten Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft entwickeltes und im Jahr 2000 in Erprobung gehendes spezifisches Zertifizierungsverfahren für Krankenhäuser, das sich an das erprobte Verfahren der Joint Commission in den USA anlehnt.
Leitlinien:
Ärztliche Leitlinien sind systematisch entwickelte Hilfen zur Entscheidungsfindung für Ärzte und Patienten über die angemessene ärztliche Vorgehensweise bei speziellen gesundheitlichen Problemen. Sie stellen den nach einem definierten, transparent gemachten Vorgehen erzielten Konsens mehrerer Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen und Arbeitsgruppen (ggf. unter Berücksichtigung von Patienten) zu bestimmten ärztlichen Vorgehensweisen dar. Sie sind wissenschaftlich begründete und praxisorientierte Handlungsempfehlungen. Methodische Instrumente sind zum Beispiel Konsensuskonferenzen, Therapiestudien und Metaanalysen. Leitlinien sind Orientierungshilfen im Sinne von „Handlungskorridoren“, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder sogar muss. Sie werden regelmäßig auf ihre Gültigkeit hin überprüft und ggf. fortgeschrieben werden. Siehe auch Richtlinie
Lenkungsausschuss:Landes- oder Bundesgremium, das externe Qualitätssicherungsmaßnahmen abstimmt und beschließt. Da die Regelungen von Land zu Land unterschiedlich sind, ist die Zusammensetzung ebenfalls verschieden. In der Regel gehören dazu: Vertreter der Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaft und der betroffenen Berufsgruppen.
Logikfehler (Bias):Systematischer Beurteilungsfehler (Newcomb 1931). Eine ursprünglich bei der Beurteilung von Persönlichkeitsstereotypen festgestellte Gefahr, den Ausprägungsgrad verschiedener Eigenschaften deshalb ähnlich oder gegensätzlich zu beurteilen, weil der Beurteiler vermutet, dass die Messparameter zusammenhängen. Anstelle echter Beobachtung reflektiert das Urteil aus dem Wissen gefolgerte Beziehungen zwischen Parametern.
Managed Care:
Managed Care (MC) kann übergeordnet als „Geführte Versorgung“ übersetzt werden. Eine exakte Definition des Begriffes gibt es jedoch nicht. In MC-Modellen wird versucht, den einzelnen Patienten über Zuweisungs- und Behandlungsrichtlinien jeweils der kostengünstigsten Behandlungsform auf einem definierten Behandlungsniveau zuzuführen. Unterschiedlichste private oder staatliche Organisationen können hierzu verschiedene MC-Techniken zur Erreichung ihrer Ziele anwenden.
Medical Controlling (Medizin Controlling):Auf medizinische Leistungen fokussierter Teil des Controlling. Im weiteren Sinne Teil des Qualitätsmanagements in der Medizin mit beschränkterem betrieblichen Fokus.
Medizinproduktegesetz (MPG):Deutsche Rechtsnorm, die drei EU-Richtlinien, die den Bereich der Medizinprodukte betreffen, in nationales Recht verbindlich umsetzt. Mit dem MPG sind die EU-Richtlinien für aktive implantierbare Geräte, für Medikalprodukte und In-vitro-Diagnostika in nationales Recht verbindlich überführt.
Medizinische Informatik:Wissenschaft von der Informationsverarbeitung und der Gestaltung informationsverarbeitender Systeme in der Medizin und im Gesundheitswesen. Ärzte können die Bereichsbezeichnung Medizinische Informatik erwerben und damit die DV-technischen Grundlagen des Qualitätsmanagements in besonderer Weise nachweisen.
Moderator:Person, die die Leitung und ggf. Vorbereitung einer Veranstaltung mit mehreren Teilnehmern (z.B. Qualitätszirkel) übernimmt. Das im ursprünglichen Wortsinn enthaltene „moderieren“ (= mäßigen) gilt dabei als ebenso wichtig wie die Anregung einer sachlichen Auseinandersetzung.
Monitor:Person oder technische Einheit zur Prozessüberwachung. Als Person versteht man darunter einen Beobachter, der einen Soll-Ist-Vergleich durchführt. Siehe auch Self-monitoring. Ein Studienmonitor ist z.B. verantwortlich für Qualität und Verfügbarkeit der Daten entsprechend Studienplan.
Norm:
Vielfältig verwandter Begriff mit unterschiedlichen Inhalten. Der Inhalt richtet sich auch nach dem Kontext des Begriffes. Im rechtlichen Bereich meint er etwas anderes als zum Beispiel bei der Erarbeitung von Regeln für die Industrie und Dienstleistungen. Nach der Definition des DIN ist eine Norm ein Dokument, das mit Konsens erstellt und von einer anerkannten Stelle angenommen wurde und das für die allgemeine und wiederkehrende Anwendung Regeln, Leitlinien und Merkmale für Tätigkeiten oder deren Ergebnisse festlegt, wobei ein optimaler Ordnungsgrad in einem gegebenen Zusammenhang angestrebt wird. Normen sollen auf den gesicherten Ergebnissen von Wissenschaft, Technik und Erfahrungen basieren und auf die Förderung optimaler Vorteile für die Gesellschaft abzielen. (DIN 66066 Teil 3).
Eröffnung einer Leiche, um die Todesursache festzustellen. Die makroskopische Untersuchung können mikroskopische und Laboruntersuchungen ergänzen. Die Obduktion dient im besonderen Maß der Qualitätssicherung in der Medizin, einerseits durch den Obduzenten einschließlich der klinisch-pathologischen Konferenz, andererseits als Selbstkontrolle der klinisch tätigen Ärzte bezüglich der Treffsicherheit ihrer Diagnostik und Therapie und in gewisser Weise bezüglich der ursprünglichen Prognose. Die Obduktion stellt darüber hinaus ein wichtiges Element zur Beantwortung epidemiologischer Fragestellungen dar und ist eine wesentliche Hilfe bei der Aufklärung unklarer Todesfälle.
Peer Review:
Medical Peer Review ist der Vorgang der systematischen Aufzeichnung ärztlichen Tuns und anschließender Beurteilung der erbrachten ärztlichen Leistungen durch qualifizierte Gutachter. Diese sollen in demselben fachlichen Bereich wie die begutachteten Ärzte arbeiten.
PEP:(Performance and Evaluation Procedure). Freiwillige, von der Ärzteschaft in den USA getragene Studie aus den 80er Jahren, an der 4.500 Kliniken beteiligt waren. Es wurden Krankenhausstrukturparameter erhoben und ausgewertet und spezielle Problembereiche mittels standardisierter Fragebogen durchleuchtet.
Pflegeprozess:Ein methodischer Ansatz zur Planung und Steuerung pflegerischer Maßnahmen. Der Pflegeprozess gliedert sich in sechs Verfahrensschritte: 1. Informationssammlung (Pflegeanamnese), 2. Feststellen von Bedürfnissen und Möglichkeiten des Patienten, 3. Festlegung des Pflegezieles, 4. Planung der Pflegemaßnahmen, 5. Pflegerische Tätigkeit und 6. Beurteilung ihrer Wirkung auf den Patienten.
Pflegestandard:siehe Standard
Plausibilitätskontrolle:Die Überprüfung von Ergebnissen im Kontext mit anderen verfügbaren Angaben aus parallel oder schon früher erstellten Befunden (Befundmusterkontrolle, Trendkontrolle) sowie anhand von Grenzwerttabellen oder nach empirischen Regeln (Extremwertkontrolle, Regelprüfung). Die jeweiligen Entscheidungsgrenzen können nach sachlogischen Gesichtspunkten vorgegeben oder mit Hilfe explorativer Datenanalysen statistisch ermittelt werden.
PRO:Professional Review Organizations (Fachliche Überprüfungsgremien). Für bestimmte geographische Gebiete zuständige Organisationen, die sich im Rahmen des PRO-Programms vertraglich zur Evaluierung der medizinischen Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit, Qualität und Kostenwirksamkeit der Versorgung der Leistungsempfänger des Medicare-Programms in den USA (Bundesprogramm für die ärztliche Versorgung von Personen über 65 Jahren) verpflichtet haben. Peer Review Improvement Act, PL 97-248, 1992
Projektgeschäftsstelle:Servicebüro, das eine oder mehrere externe Qualitätssicherungsmaßnahmen oder –projekte auf Landes- oder Bundesebene koordiniert und/oder durchführt. Hierzu gehören nicht nur der tägliche Dokumentations- und Auswertungsbetrieb, sondern auch Planung, wirtschaftlicher Betrieb und Evaluation der Maßnahmen sowie die Unterstützung korrespondierender interner Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Prozessqualität:Ein Aspekt der Qualität der medizinischen Versorgung, der alle medizinischen Aktivitäten unter Einbeziehung der interpersonellen und interaktionalen Aspekte umfasst. Hierzu gehören Art und Weise der Diagnostik und Therapie, z.B. der Medikamentenverordnung, aber auch der Gesprächsführung, der Anamneseerhebung, Rechtzeitigkeit, Angemessenheit usw. Beeinflusst wird der Behandlungsprozess u.a. durch die Persönlichkeit und Einstellung von Arzt und Patient und der Wechselwirkung zwischen beiden, aber auch durch gesellschaftliche und ethische Gesichtspunkte.
Qualität:
„Qualität ist die Gesamtheit von Merkmalen (und Merkmalswerten) einer
Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte
Erfordernisse zu erfüllen.“ (Quelle: DIN EN ISO 8402:1995, Nr. 2.1)
Der Qualitätsbegriff der DIN EN ISO-Normen ist wertneutral und
positivistisch. Er bezieht sich ausschließlich auf die Eignung oder Fähigkeit
einer Einheit zur Erfüllung vorausgesetzter oder festgelegter
Erfordernisse, nicht auf die Ausprägung bzw. den tatsächlich vorhandenen
(und ggf. messbaren) Ausprägungsgrad dieser Eignung. Einheit und
Erfordernisse sind dabei Variablen. Einheit kann sich z.B. auf klassische
Produktionsfaktoren (z.B. Betriebsmittel, Werkstoffe), auf Prozesse und
Verfahren (z.B. Qualitätssicherungssysteme) oder Resultate (Erzeugnisse,
Dienstleistungen) beziehen. Die festgelegten und vorausgesetzten
Erfordernisse bestimmen die Zielvorgaben und Inhalte; sie beinhalten die
Forderungen der Gesellschaft und müssen in mehrstufigen Operationalisierungsschritten zu konkreten Qualitätsforderungen
spezifiziert werden. Diese Spezifizierung ist die Voraussetzung für alle
weiteren (Operationalisierungs-) Schritte im Rahmen des Qualitätsmanagements.
Normen wie die DIN EN ISO-Normen werden oft per se mit einer Einschränkung
des individuellen Handlungsspielraums gleichgesetzt. Jedoch gilt: „Durch
das Anwenden von Normen entzieht sich niemand der Verantwortung für eigenes
Handeln. Jeder handelt insoweit auf eigene Gefahr.“
[7]
Dies wird durch die wertneutrale DIN EN ISO-Definition von Qualität
unterstrichen, da sie sich auf die Dimension Eignung (zur Erfüllung von
Erfordernissen) beschränkt. Sie impliziert weder die Art und Umfang der
Erfordernisse noch den Ausprägungsgrad der Eignung, diese zu erfüllen.
Diese Festlegung ist dem gesellschaftlichen bzw. fachlichen Diskurs
vorbehalten und kann sich z.B. in gesetzlichen bzw. fachspezifischen
Vorgaben niederschlagen. Die professionelle Verantwortung bezieht sich somit
grundsätzlich auf zwei Bereiche: Die Eignung einer Einheit zur Erfüllung
von Erfordernissen sowie die Ausprägung dieser Eignung, umgangssprachlich
ausgedrückt: Die Fähigkeit zur „Qualität“ und deren tatsächliche
Herstellung. Die Einhaltung von Normen erhöht die Wahrscheinlichkeit,
Ergebnisse im Sinne der Erfordernisse zu erhalten und kann unter
forensischen Aspekten Schutz bieten. Normabweichungen sind – sofern keine
gesetzlich oder anderweitig festgelegten Einschränkungen vorliegen –
nicht nur immer und überall möglich, sondern können im Einzelfall sogar
zwingend sein, bedürfen jedoch der plausiblen rationalen Begründung.
Eine Qualitätsbewertung gemäß den DIN EN ISO-Normen (im Rahmen einer
Zertifizierung) prüft immer nur die grundsätzlich vorhandene Eignung bzw.
Fähigkeit, Erfordernisse erfüllen zu können. Sie kann den Abgleich
zwischen tatsächlicher und erwünschter Ausprägung dieser Eignung (z.B.
anhand fachspezifischer Leitlinien, Indikatoren, Referenzbereiche) sowie die
Ermittlung von Effektivität und Effizienz bezüglich der Erfordernisse
nicht ersetzen.
In zahlreichen Literaturstellen wurde bzw. wird noch „Qualität“ anders
definiert, z.B. „Qualität = Technik + Geisteshaltung“
[8],
„Qualität ist das Erreichte im Verhältnis zum Machbaren, bezogen auf die
Menge des Gewünschten“ [9],
als „fitness for use“, „fitness for purpose“, „customer
satisfaction“ oder „conformance to the requirements“.
[10]
Diese Begriffsbestimmungen beschreiben oft nur bestimmte Facetten der
Eignung; oder sie haben nicht die Eignung an und für sich, sondern die
(tatsächlich vorhandene) Ausprägung dieser Eignung im Blick; oder sie
implizieren gleichzeitig bestimmte Formen, Richtungen oder Grade dieser
Ausprägung.
Systematische und unabhängige Untersuchung um festzustellen, ob die qualitätsbezogenen Tätigkeiten und damit zusammenhängende Ergebnisse den Anordnungen entsprechen und ob diese Anordnungen tatsächlich verwirklicht und geeignet sind, die Ziele zu erreichen.
Qualitäts(an)forderung (Requirements for quality):
Formulierung der Erfordernisse oder deren Umsetzung in eine Serie von quantitativ oder qualitativ festgelegten Forderungen an die Merkmale einer Einheit zur Ermöglichung ihrer Realisierung und Prüfung. Es ist entscheidend, dass die Qualitätsforderung die festgelegten und vorausgesetzten Erfordernisse des Kunden voll widerspiegelt. Der Begriff „Forderung“ erfasst sowohl marktbegründete als auch vertragliche als auch interne Forderungen einer Organisation. Sie können in den unterschiedlichen Planungsstufen entwickelt, detailliert und aktualisiert werden. Quantitativ festgelegte Forderungen an die Merkmale enthalten z.B. Nennwerte, Bemessungswerte, Grenzabweichungen und Toleranzen. Die Qualitätsforderung sollte in funktionalen Bedingungen ausgedrückt und dokumentiert werden.
Qualitätsbeauftragter:Unzweckmäßige Bezeichnung der für das Qualitätsmanagement zuständigen Person. Die Formulierung „Beauftragter“ reduziert die Tätigkeit auf eine spezialisierte, delegierbare Aufgabe – wie etwa beim Strahlenschutzbeauftragten. Qualitätsmanagement ist jedoch eine umfassende Leitungsfunktion und relevant auf allen betrieblichen Ebenen.
Qualitätsbewertung:Systematische Untersuchung, inwieweit eine Einheit fähig ist, die festgelegte Qualitätsforderung zu erfüllen. Eine Qualitätsbewertung kann zur Feststellung der Qualitätsfähigkeit (siehe auch Qualität) eines Lieferanten benutzt werden. In diesem Fall kann das Ergebnis der Qualitätsbewertung, je nach den spezifischen Umständen, zum Zweck einer Qualifikation, einer Genehmigung , einer Registrierung, Zertifizierung oder Akkreditierung verwendet werden. In Abhängigkeit vom Anwendungsfall der Qualitätsbewertung (z.B. Prozess, Personal, System) und je nach Zeitpunkt der Qualitätsbewertung (z.B. vorvertraglich) kann zusammen mit dem Wort Qualitätsbewertung ein zusätzliches Bestimmungswort verwendet werden wie etwa „vorvertragliche Prozessqualitätsbewertung“. Eine umfassende Lieferanten-Qualitätsbewertung kann auch eine Abschätzung der finanziellen und technischen Mittel mit einbeziehen. Im Englischen wird unter spezifischen Umständen die Qualitätsbewertung zuweilen „quality assessment“, „quality appraisal“ oder „quality survey“ genannt (siehe auch Qualitätsmanagement).
Qualitätsindikator:Qualitätsindikatoren sind Hilfsgrößen, die die Qualität einer Einheit durch Zahlen bzw. Zahlenverhältnisse indirekt abbilden. Man könnte sie auch als qualitätsbezogene Kennzahlen bezeichnen. Die Ausprägung eines Indikators kann mit guter bzw. schlechter Qualität in Verbindung gebracht werden. Hierzu verwendet man definierte Ausprägungen des Indikators, den sog. Referenzwert oder Referenzbereich. Qualitätsindikatoren sind den Qualitätsdimensionen entsprechend ergebnis-, prozess- und/oder strukturbezogen. Die Validität eines Qualitätsindikators wird dabei durch seine Sensitivität, Spezifität und Reliabilität bestimmt.
Qualitätsindikatoren bzw. die zugrundeliegenden Leitlinien müssen dem aktuellen Stand der medizinischen Versorgung entsprechen. Es ist daher unabdingbar, sie im Rahmen einer kontinuierlichen Entwicklung von Zeit zu Zeit zu aktualisieren, zu eliminieren oder neu zu definieren. Dementsprechend nennt Kazandjian die Auswahl geeigneter Qualitätsindiktoren „a never-eding search“ und weist auf folgende Problematik hin:
Nach der RUMBA-Regel muß ein Qualitätsindikator folgende Voraussetzungen erfüllen:
Fortlaufende Überwachung der Qualität von in Masse produzierten Gütern und erbrachten Dienstleistungen, z.B. die im Eichgesetz sowie in Richtlinien der Bundesärztekammer und ihren Ausführungsbestimmungen geregelte Qualitätskontrolle im medizinischen Laboratorium (Richtigkeitskontrolle, Präzisionskontrolle, Ringversuche). Die Qualitätskontrolle ist eine wesentliche Maßnahme zur Qualitätssicherung. Im englischen Sprachraum umfasst der Begriff „control“ neben der Überwachung auch Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung der Qualität.
Qualitätslenkung:Arbeitstechniken und Tätigkeiten, die zur Erfüllung von Qualitätsforderungen angewendet werden (aus DIN EN ISO 8402: 08.95). Siehe auch Qualitätsmanagement
Qualitätsmanagement:
Zusammenfassung aller Maßnahmen innerhalb eines Betriebes, die darauf
abzielen, die Qualität der produzierten Produkte oder der angebotenen
Dienstleistung zu verbessern. QM besteht aus verschiedenen Teilaspekten wie
z.B. der Qualitätsplanung,
der Qualitätsbewertung etc.
Alle Tätigkeiten des Gesamtmanagements, die im Rahmen des QM-Systems die
Qualitätspolitik, die Ziele und Verantwortungen festlegen sowie diese durch
Mittel wie Qualitätsplanung, Qualitätslenkung, Qualitätssicherung/QM-Darlegung
und Qualitätsverbesserung verwirklichen. Qualitätsmanagement ist die
Verantwortung aller Ausführungsebenen, muss jedoch von der obersten Leitung
angeführt werden. Ihre Verwirklichung bezieht alle Mitglieder der
Organisation ein. Beim Qualitätsmanagement werden
Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkte beachtet (aus DIN EN ISO 8402:
08.95).
Wie die Definition und die Anmerkungen zeigen, ist Qualitätsmanagement der
Oberbegriff, der alle qualitätsbezogenen Tätigkeiten umfasst. Dieser
Begriffsinhalt wurde früher ausschließlich mit „Qualitätssicherung"
benannt. Die Benennung „Qualitätssicherung“ existiert in den neueren
ISO-Normen alleine nicht mehr, sondern ist in die Doppelbenennung „Qualitätssicherung/QM-Darlegung“
aufgegangen. Gleichzeitig hat sich ihr Begriffsinhalt geändert, denn früher
war Qualitätssicherung der übergeordnete Begriff, während jetzt Qualitätssicherung/QM-Darlegung
eine Untermenge des Qualitätsmanagements darstellt.
In zusammengesetzten Benennungen, die den Wortbestandteil „Qualitätssicherung...“
enthalten, ist dieser durch „Qualitätsmanagement...“ oder abgekürzt
„QM-...“ zu ersetzen.
Dieser Fachsprache steht die nach wie vor übliche Verwendung des Begriffs
„Qualitätssicherung“ im Sozialgesetzbuch bzw. der Umgangssprache gegenüber.
Die dort verwendete Benennung „Qualitätssicherung" entspricht „Qualitätsmanagement"
nach DIN EN ISO 8402.
Dokument, in dem die Qualitätspolitik festgelegt und das QM-System einer Organisation beschrieben ist. Ein QM-Handbuch kann sich auf die Gesamtheit der Tätigkeiten einer Organisation oder nur auf einen Teil davon beziehen. Titel und Zweckbestimmung des Handbuches spiegeln den Anwendungsbereich wider.
Qualitätsplanung:Tätigkeiten, welche die Ziele und Qualitätsforderungen sowie die Forderungen für die Anwendung der Elemente des QM-Systems festlegen (aus DIN EN ISO 8402: 08.95).
Qualitätspolitik:Umfassende Absichten und Zielsetzungen einer Organisation zur Qualität, wie sie durch die Leitung formell ausgedrückt werden (aus DIN EN ISO 8402: 08.95).
Qualitätssicherung:Bisher üblicher Begriff für die Benennung der Gesamtheit aller qualitätswirksamen Tätigkeiten und Zielsetzungen in einer Organisation. Nach allgemeinen Übereinkünften in den nationalen und internationalen Normungsgremien soll dafür künftig der Begriff „Qualitätsmanagement" zur Anwendung gelangen. Siehe auch Qualitätssicherung/QM-Darlegung
Qualitätssicherung/QM-Darlegung:In der Gesundheitsversorgung in Deutschland spielte der Begriff Qualitätssicherung bisher eine zentrale Rolle für verschiedenste Aktivitäten. Es wurde traditionell zwischen interner und externer Qualitätssicherung unterschieden. „Interne Qualitätssicherungsmaßnahmen“ umfassten durchaus auch Aspekte der Qualitätsverbesserung und des Qualitätsmanagements. Unter „externer Qualitätssicherung“ wurden insbesondere Qualitätssicherungsmaßnahmen mit externen Vergleichen verstanden. Einige der bekanntesten Maßnahmen – z.B. Perinatologie, Neonatologie, Allgemeine Chirurgie – beruhen auf diesem Verfahren. Im Rahmen der gesetzlichen Verpflichtung [§137 SGB V (seit 1989)] zur Qualitätssicherung in der stationären Versorgung spielt das Prinzip der vergleichenden Prüfung ebenfalls eine zentrale Rolle (siehe auch Qualitätsmanagement und QM-Darlegung).
Qualitätssicherungsbericht:Regelmäßiger Bericht (nach ISO z.B. jährlich), der umfassend die Maßnahmen zur Qualitätssicherung, den dazu betriebenen Aufwand und die Ergebnisse zusammenfassend darstellt.
QM-Bewertung (Management review):Formelle Bewertung (formal evaluation) des Standes und der Angemessenheit des QM-Systems in Bezug auf Qualitätspolitik und die Qualitätsziele durch die Leitung derjenigen Organisation, deren QM-System bewertet wird.
QM-System:Zur Verwirklichung des Qualitätsmanagements erforderliche Organisationsstruktur, Verfahren, Prozesse und Mittel (aus DIN EN ISO 8402: 08.95). Bei der Gestaltung ihrer QM-Systeme sind die Organisationen grundsätzlich frei. Weit verbreitet sind jedoch QM-Systeme, die anhand internationaler Normen, insbesondere aus der ISO-9000-Familie, aufgebaut werden. Diese Normen sehen unter anderem vor, dass das QM-System in den QM-Dokumenten beschrieben wird, welche zumindest aus dem QM-Handbuch bestehen, in der Regel aber zusätzlich auch aus mitgeltenden Unterlagen.
Qualitätsüberwachung:Ständige Überwachung und Verifizierung des Zustandes einer Einheit sowie Analyse von Aufzeichnungen, um sicherzustellen, dass festgelegte Qualitätsforderungen erfüllt werden. Qualitätsüberwachung kann durch den Kunden oder in seinem Auftrag durchgeführt werden. Qualitätsüberwachung kann Beobachtungs- und Überwachungstätigkeiten, die der Verschlechterung oder Beeinträchtigung einer Einheit (z.B. eines Prozesses) im Laufe der Zeit vorbeugen können. „Ständige“ kann entweder dauernd oder häufig bedeuten.
Qualitätsverbesserung:
In einer Organisation ergriffene Maßnahmen zur Erhöhung der Effektivität und Effizienz von Tätigkeiten und Prozessen, um zusätzlichen Nutzen sowohl für die Organisation als auch für ihre Kunden zu erzielen (aus DIN EN ISO 8402: 08.95). Qualitätsverbesserung und Qualitätsplanung sollten zusammenwirken. Erkenntnisse aus der Qualitätsverbesserung können sich auf die Qualitätsplanung auswirken. Beispiel: Das Steuerungsgremium der Krankenhausabteilung diskutiert regelmäßig die für den Arbeitsbereich der Abteilung relevanten, neu erschienenen Veröffentlichungen und beschließt ggf. Verbesserungsmaßnahmen für die Arbeit der Abteilung, die sich z.B. in Änderungen der Therapieschemata niederschlagen.
Qualitätszirkel:
Ärztliche Qualitätszirkel sind auf freiwilliger Initiative gegründete Foren (Kleingruppen) für einen kontinuierlichen interkollegialen Erfahrungsaustausch, der problembezogen, systematisch und zielgerichtet ist und der in gleichberechtigter Diskussion der Teilnehmer eine gegenseitige Supervision zum Ziel hat.
Referenz (-wert, -bereich):
Der Referenzbereich ist dasjenige Intervall, innerhalb dessen die Ausprägung eines Qualitätsindikators als „unauffällig“ definiert wird. Ein Referenzwert ist ein Referenzbereich, dessen Unter- und Obergrenze zusammenfallen. Referenzbereiche bzw. -werte müssen im Rahmen der Qualitätsforderung festgelegt werden. Diese Festlegung kann entweder empirisch (statistisch) oder normativ (Expertenkonsens) erfolgen.
Reliabilität:Zuverlässigkeit. Gütekriterium, das die Messgenauigkeit eines Verfahrens angibt. Im Hinblick auf menschliche Messungen wird auch von Objektivität bzw. Interbeobachterübereinstimmung gesprochen. Der eng verwandte Begriff der „reproducibility“ wird im engeren Sinne für die Wiederholungsstabilität eines technischen Messvorganges verwandt. Psycho- und Soziometrie bestehen zu einem überwiegenden Teil aus Reliabilitäts- und Validitätstesten. Diese werden dann exakter nach dem jeweils verwandten Bestimmungsverfahren bezeichnet (z.B. Split-half-Reliabilität).
Richtigkeitskontrolle:
Verfahren zur Qualitätskontrolle zur Feststellung der Validität von Messungen, z.B. im medizinischen Laboratorium. Es werden Untersuchungen von definierten Referenzmaterialien durchgeführt und diese Resultate mit den zuvor mit einer Referenzmethode ermittelten Sollwerten verglichen.
Richtlinien sind von einer rechtlich legitimierten Institution konsentierte, schriftlich fixierte und veröffentlichte Regelungen des Handelns oder Unterlassens, die für den Rechtsraum dieser Institution verbindlich sind und deren Nichtbeachtung definierte Sanktionen nach sich zieht.
Ringversuch:
Externe Qualitätskontrollmethode. Die Qualität von Analysemethoden wird anhand von zugesandten Kontrollmaterialien überprüft. Die Überwachung von Ringversuchen im Laborbereich der ambulanten Versorgung obliegt z.B. den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die erfolgreiche Teilnahme an den vorgeschriebenen Ringversuchen ist Voraussetzung für die Abrechnungsfähigkeit der Laborleistungen bei den Krankenkassen.
Die Selbstkontrolle durch kontinuierliches Beobachten des eigenen Handelns.
Standard:Eine normative Vorgabe qualitativer und/oder quantitativer Art bezüglich der Erfüllung vorausgesetzter oder festgelegter Qualitätsforderungen. Die Verwendung des Begriffs „Standard“ ist, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen, sehr vielschichtig. Von der seinerzeit von Donabedian (s.u.) publizierten Definition zur Unterscheidung zwischen statistischen („empirischen“) und qualitativen („normativen“) Standards würde man nach aktuellem Diskussionsstand nur noch die Formulierung des qualitativen Standards akzeptieren, der auf die heute gebräuchlichen Begriffe Richt- bzw. Leitlinie hinweist.
Standards, Statistische
„Empirical standards are derived from actual practice and are generally
used to compare medical care in one setting with that in another, or with
statistical averages and ranges obtained from a larger number of similar
settings. ...“
Standards, Qualitative
Normative standards derive, in principle, from the sources that legitimately
set the standards of knowledge and practice in the dominant medical care
system. ... Normative standards can be put very high and represent the ‘best’
medical care that can be provided, or they can be set at a more modest level
signifying ‘acceptable’ or ‘adequate’ care. In any event, their
distinctive characteristic is that they stem from a body of legitimate
knowledge and values rather than from specific examples of actual practice.
As such, they depend for their validity on the extent of agreement
concerning facts and values within the profession or, at least, among ist
leadership.“ [11]
Weitere Differenzierungen liefert Eddy: „To write a standard for or
against the use of an intervention, the main health and economic
consequences of the intervention must be known sufficiently well to permit
decisions and there must be virtual unanimity among patients about the
overall desirability (or undesirability) of the outcomes. ... The notion
behind `virtual unanimity`of preferences is that at least 95%, perhaps even
99%, of people who are candidates for the Intervention should agree on the
desirability of its outcomes.“
[12]
Zur Bedeutung und Verbindlichkeit von Standards: „Standards are intended
to be applied rigidly. They must be followed in virtually all cases.
Exceptions will be rare and difficult to justify. Violation of a standard
should trigger thoughts of malpractice, and the defense will be difficult. A
standard tells a practitioner, ‘you don’t have to ponder this one, just
do it.’ Other terms for standards are ‘rules’, ‘strict’
indications or contraindications, ‘strict criteria’, and ‘clearly’
appropriate or inappropriate practices.“
[13]
Die Wertigkeit und damit die Verbindlichkeit eines Standards entspricht dem
einer Richtlinie. Die im deutschen Sprachgebrauch innerhalb einer
Berufsgruppe oder Einrichtung konsentierten Regelungen, die z.T.
als „Standard“ bezeichnet werden (z.B. „Pflegestandard“,
„Hygienestandard“ etc.), entsprechen entweder Richtlinien oder
Leitlinien.
Im angelsächsischen Sprachraum existieren ebenfalls unterschiedliche
Bedeutungen des Begriffs „Standard“. Während Eddy et al. „Standard“
als Normsetzung primär auf qualitativer Ebene betrachten (s.o.) und damit
dem nahe kommen, was im deutschen Sprachraum z.B. Richtlinien oder Leitlinien
sind, gibt es eine ältere Definition, z.B. bei Donabedian: „A standard is
a precise, quantitative specification of the state of a criterion that will
constitute quality of a given degree“
[14]
bzw. „A standard is taken to mean a precise, quantitative statement for
goodness in any criterion“[15].
Die AMA wiederum liefert eine ähnliche Interpretation: „Standards are
professionally developed expressions of the range of acceptable variation
from a norm or criterion“[16].
Hierbei handelt es sich um Definitionen, die ausschließlich die
quantitative Sicht umfassen. Die zugehörige Norm oder Qualitätsforderung,
d.h. qualitative Vorgabe (z.B. Richtlinie, Leitlinie bzw. das, was Eddy et
al. als „Standard“ definieren) wird vorausgesetzt. Diese Definition von
Standard entspricht damit dem deutschen Begriff Referenzbereich bzw.
Referenzwert (weitere Details siehe GMDS-Dokumentation; s.o.).
Total Quality Management :
siehe Umfassendes Qualitätsmanagement
Tracer-Methode:Tracer- oder Qualitätsmerkmale sind in der Regel spezifische Gesundheitsprobleme oder Diagnosen, die eine Beurteilung der Stärken und Schwächen der jeweilig durchgeführten Versorgungsmaßnahme erlauben. Für einige medizinische Bereiche, in denen sich Tracer gut herleiten lassen, wurde eine Methode zur tracerbasierten Qualitätssicherung entwickelt. Mit Tracer-Methoden werden auch Qualitätsverfahren in der medizinischen Qualitätssicherung bezeichnet, bei denen von den Ergebnissen exemplarisch ausgewählter Krankheitsbilder auf andere erbrachte Leistungen geschlossen wird (pars pro toto-Ansatz). Tracer-Methoden werden oft in den operativen Disziplinen eingesetzt. Tracer müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. So müssen sie beispielsweise leicht diagnostizierbar und gut definierbar sein, hinlänglich bekannt sein und in einer hinreichenden Frequenz auftreten.
Trendkontrolle:Plausibilitätsprüfung in Laboratorien, um Probenverwechslungen oder andere grobe Messfehler zu erkennen. Unter Vorgabe einer Irrtumswahrscheinlichkeit, die von den jeweiligen Parametern einer biologischen Kenngröße abhängt, wird automatisch auf alle unplausiblen (auffälligen) Abweichungen von den Vorwerten desselben Patienten aufmerksam gemacht.
Umfassendes Qualitätsmanagement:
Auf die Mitwirkung aller ihrer Mitglieder gestützte Managementmethode einer Organisation, die Qualität in den Mittelpunkt stellt und durch Zufriedenstellung der Kunden auf langfristigen Geschäftserfolg sowie auf Nutzen für die Mitglieder der Organisation und für die Gesellschaft zielt (aus DIN EN ISO 8402: 08.95). Das umfassende Qualitätsmanagement wird gelegentlich auch als Total Quality Management (TQM) bezeichnet.
Gültigkeit. Grad der Genauigkeit, mit dem ein Testverfahren das misst, was es messen soll. Die Validität ist das wichtigste, jedoch auch das am schwierigsten zu bestimmende Gütekriterium (siehe auch Reliabilität). Nach der Bestimmungsmethode werden verschiedene Gültigkeiten voneinander unterschieden (z.B. Konstruktvalidität, Augenscheinvalidität etc.).
Verfahren aus der rechnergestützten Entscheidungsfindung. Nach festgelegten Regeln prüft ein Computerprogramm verschiedene Daten oder Entscheidungsschritte gegeneinander ab. Ein Beispiel wäre bei einem Arztrechner der Vergleich von Medikationen mit Vorbefunden und potentiellen Wechselwirkungen.
Wirtschaftlichkeit (des Qualitätsmanagements):Vergleich der Aufwendungen und Leistungen von Maßnahmen im Qualitätsmanagement. Die Analyse dieses Aspekts ist Teil der Evaluation, die jede Maßnahme durchlaufen sollte.
Zentralstelle der deutschen Ärzteschaft zur Qualitätssicherung in der Medizin:
Die ÄZQ ist eine gemeinsame Einrichtung von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Ziele sind die Koordination der ärztlichen Qualitätssicherungsmaßnahmen gemäß Berufsrecht und Kassen-(Vertrags-)arztrecht in enger Zusammenarbeit mit wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften.
Zertifizierung:Verfahren, in dem ein (unparteiischer) Dritter schriftlich bestätigt, dass ein Erzeugnis, ein Verfahren, eine Dienstleistung oder eine Organisation in ihrer Gesamtheit vorgeschriebene Anforderungen erfüllt.
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Design und Konzept: Dipl.-Dok. Inge König
Stand: 15.03.2002