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Ärzte Zeitung, 17.07.2002

Sommerakademie 2002

Medikamentöse Prophylaxe reduziert Häufigkeit und Stärke von Attacken

Patienten sollten sechs bis neun Monate behandelt werden, um den Erfolg zu beurteilen

Wenn Migräne-Patienten häufige Attacken haben, sollte eine Migräne-Prophylaxe begonnen werden. Damit können Anfälle zwar nicht komplett unterdrückt, aber ihre Zahl und Heftigkeit reduziert werden. Außerdem kann etwa Dauerkopfschmerzen durch zu häufige Medikamenteneinnahme vorgebeugt werden.

Eine Prophylaxe kommt in Frage, wenn Patienten mehr als dreimal pro Monat Attacken haben und nicht ausreichend auf eine Akuttherapie ansprechen oder unerwünschte Wirkungen nicht tolerieren. Auch bei unerträglichen Schmerzen und Attacken, die länger als 48 Stunden anhalten und bei neurologischen Ausfällen, sollten Kollegen ihren Patienten zur Prophylaxe raten.

Darauf weist Hans-Christoph Diener von der Universität Essen hin (Nervenheilkunde 19, 2000, 335). Die Prophylaxe sei optimal, wenn Häufigkeit, Dauer und Schwere von Attacken um mindestens 50 Prozent reduziert würden, so Diener.

Medikamentöse Prophylaxe bei Migräne
Medikamente 1. Wahl
Metoprolol
50 – 200 mg/Tag
Propranolol
40 – 240 mg/Tag

Flunarizin

5 mg/Tag für Frauen
10 mg/Tag für Männer
Medikamente 2. Wahl
Valproinsäure
500 – 600 mg/Tag
Naproxen
2x250 – 2x500 mg/Tag
Acetylsalicylsäure
300 mg/Tag
Lisurid
3x25 mg/Tag
Pizotifen
1 – 3 mg/Tag
Dihydroergotamin
1,5 – 6 mg/Tag
Magnesium
2x300 mg/Tag
Cyclandelat 1200 – 1600 mg/Tag
Quelle: Pfaffenrath, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Betablocker, Analgetika, Antiepileptika, Antagonisten: Diese Präparate eignen sich zur Migräneprophylaxe.

Folgende Medikamente empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft in Kooperation mit der Kommission Schmerztherapie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie für die Prophylaxe:

  • Substanzen der I. Wahl sind der nicht-selektive Betablocker Propanolol und der Beta-1-selektive Betablocker Metoprolol sowie der Kalziumantagonist Flunarizin.

  • Substanzen der II. Wahl sind das Antiepileptikum Valproinsäure, ASS, Naproxen, der Dopamin-Agonist Lisurid, der Serotonin-Antagonist Pizotifen, Dihydroergotamin, der Kalziumantagonist Cyclandelat, der zusätzlich die Serotoninfreisetzung hemmt, sowie Magnesium.

Zunächst werden die Patienten sechs bis neun Monate behandelt. Dann werden die Medikamente ausschleichend abgesetzt und für etwa drei Monate beobachtet, wie sich die Migräne entwickelt. Nehmen Attacken wieder zu, sollten Patienten erneut prophylaktisch behandelt werden (Ernst Mutschler et al., Mutschler Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2001). (gwa)



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