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Medizin im Internet
Zusammenfassung:
Der Lehrauftrag Allgemeinmedizin an der Universiät Heidelberg veranstaltet ein Seminar für Medizinstudenten in den vorklinischen Semestern, in dem
auch aktuelle Fragen der Datenrecherche und Informationsbeschaffung thematisiert werden. Angesichts der Bedeutung des Internets
für die Medizin sollen die Studenten sich auch frühzeitig mit den Problemen und Schwierigkeiten dieses Mediums beschäftigen
(Datenfülle, Authentizität, Validität, Datensicherheit und Datenschutz). Dies wird an praktischen Beispielen erarbeitet.
Inhaltsübersicht
Einführung (anhand einer fiktiven Patientenanfrage)
Problematisierung
Erwartungen und Anforderungen von Medizinern an das Internet
Begriffserläuterungen
Datenfülle, -selektion (Suchmaschinen etc.)
Authentizität, Datenintegrität
Datenschutz und Datensicherheit
Anhang
FAQ Cybermedizin - Internet und Medizin für Ärzte und Patienten
Auswahl deutschsprachiger Suchmaschinen
Lernprogramme und Informationssysteme
Einführung
Zwei Erlanger Wissenschaftler schickten 1998 an verschiedene Ärzte eine fingierte Patienten-Anfrage per E-Mail. Der fiktive Patient beschrieb eine Zoster-Infektion bei einem immunsupprimierten Organempfänger,
also einen Fall, wo eine frühe und spezifische Behandlung (mit einem Virostatikum) notwendig ist, um schwere (möglicherweise letale) Komplikationen zu verhindern.
Neben Antwortrate und Reaktionszeit wurde auch die Korrektheit der medizinischen Auskunft bewertet.
Die Hälfte der Empfänger antwortete nach ein bis zwei Tagen. Die längste Antwortzeit betrug 10 Tage. Die meisten Empfänger (27 von 29) empfahlen, dringend einen Arzt aufzusuchen,
wobei 17 von ihnen den Verdacht auf eine Zoster-Infektion äußerten. Zwei lehnten es ab, irgendeinen Rat zu erteilen.
Zwei Antworten enthielten aber auch "unkonventionelle", in diesem Fall nach dem Urteil der Autoren gefährliche Ratschläge: so riet ein Arzt dem Zoster-Patienten,
zwei Äpfel und ein Glas warmes Wasser einzunehmen. Ein anderer beurteilte die flüssigkeitsgefüllten Bläschen als vermutlich harmlos, verordnete die homöopathische Arznei
Apis D 30 und stellte 25 US-Dollar in Rechnung.
In einer zweiten Anfrage zwei Wochen später wurden dieselben Ärzte zu "unaufgeforderten E-Mail-Anfragen" befragt.
Auch hier antwortete die Hälfte der Angeschriebenen, wobei acht angaben, Patienten-E-Mails meist nicht zu beantworten. Sieben erklärten, sie reagierten mit Standard-Texten, und
acht gaben an, jede Anfrage individuell zu beantworten.
(Eysenbach G, Diepgen TL: Responses to unsolicitet patient e-mail requests for medical advice on the World Wide Web. JAMA 1998; 280: 1333-1335; dies.: Evaluation od Cyberdocs, Lancet 1999; 9139: 1526)
Zusammenfassender Bericht über die Studie aus der Zeitschrift "Med-Online"
Problematisierung
Die Studenten sollten nun zunächst in Kleingruppen diskutieren, welche Probleme in dieses Beispiel deutlich werden. Sie sollten dann weitergehende Fragen (z. B. zur berufsrechlichen Seite, aber auch zum Datenschutz) formulieren
und gemeinsam die gefundenen Punkte ordnen.
Fragen und Bemerkungen der Studenten
Erwartungen und Anforderungen von Medizinern an das Internet
Das Internet als rasch und chaotisch expandierendes Informationssystem ist für die Medizin von besonderer Bedeutung, weil hier
Informationen zu unterschiedlichsten Themen, die zudem einem raschen Wandel unterliegen, aktuell zur Verfügung stehen.
Es ermöglicht nicht nur Wissenschaftlern, weltweit zu kommunizieren (und publizieren), sondern ist auch für jeden Interessierten (der über die technischen Voraussetzungen verfügt) zugänglich und stellt somit (neben Presse und Fernsehen) einen der umfassendsten Bereiche von Öffentlichkeit dar.
Die gewachsene Struktur des Internets erlaubt es, mit Effektivität und ohne großen Zeitaufwand gezielt Informationen zu den verschiedensten, darunter auch medizinischen Themen abzurufen.
Dabei sind neben der zeitnahen Verfügbarkeit auch Zuverlässigkeit, Vollständigkeit und Validität der gewonnenen Informationen von großer Bedeutung.
Neben der Informationbeschaffung und der Recherche spielen Datenaustausch per E-Mail, Diskussionsforen und vor allem benutzerspezifische Bereiche mit beschränktem und kontrollierbarem Zugang
(z. B. in passwortgeschützter Form oder als Intranet) für den Austausch spezieller Informationen (z. B. Patientendaten) eine zunehmende Rolle.
Weitere Bemerkungen der Studenten
Begriffserläuterungen
Einige Begriffe und Fragen, die angesprochen werden sollten:
Daraus ergeben sich weitreichende Probleme für den medizinischen Datenaustausch, die hier nur stichwortartig angerissen werden können:
- Vertraulichkeit durch Zugang und Zugriff nur für berechtigte Personen:
- Trennung nach Gruppen und Rollen (z. B. Ärzte in unterschiedlichen Kliniken und Abteilungen mit verschiedenen, teils wechselnden Funktionen, Wissenschaftler an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Aufgaben, Hilfspersonal)
- Authentifizierung (durch Passwörter, Chipkarten u. a.)
- Anonymisierung, Pseudonymanwendung, Kryptographie
- Sicherung der Systeme gegen Angriffe (firewalls)
- Organisation und Schulung
- Datensicherheit (Datenauthentizität, -integrität, -verfügbarkeit)
- Übermittlung und Speicherung nur der notwendigen Informationen (Prinzip der Erforderlichkeit und minimalen Rechte)
- Dokumentation und Protokollierung (Zurechenbarkeit und Urheberschaft)
- digitale Signatur
- Unverkettbarkeit und Unbeobachtbarkeit
(Gefahr durch Informationszusammenführung und Beobachtung von Abläufen)
- Informationskontrolle durch Patienten
- Sichere Zuordnung von Patient und Daten
FAQ Cybermedizin - Internet und Medizin für Ärzte und Patienten
Nützliche Übersicht vor Gerd Eysenbach, M. D.
Hier eine Auswahl deutschsprachiger Suchmaschinen
Da die Suchmaschinen jeweils unterschiedliche Themenbereiche erfassen und unterschiedliche Abfrage- und Suchmöglichkeiten bieten, ist es sinnvoll, verschiedene Suchmaschinen zu benutzen.
Eine Suchmaschine der Suchmaschinen, die zeitgleich unterschiedliche Dienste abfragt, ist das "MetaGer" der Universität Hannover.
- Google
- Fireball
- Crawler.de
- Search.de
- AllesKlar - Deutsches Webverzeichnis
- Hitliste deutscher Suchmaschinen
- Aladin
Für medizinische Themen ist eine Anfrage bei englischsprachigen Suchmaschinen unerläßlich:
- Yahoo
- Altavista
- HotBot (eine der besten Adressen)
Lernprogramme und Informationssysteme
- CBT-Server Startseite - Med. Lernzentrum der Uni Heidelberg
- Medizinisches Lernzentrum der Uni Bern
- INSTRUCT
Arbeitsgruppe Medizinische Lernprogramme an der med. Klinik LMU Innenstadt
- SELFHTML (HTML-Dateien selbst erstellen)
- Dr. Antonius - Medizinische Datenquellen in Deutschland
- medinfo - (vormals: IPIS - Internet-Patienten-Informations-System)
Weiterführende Literatur:
Eysenbach, G.: Computer-Manual für Mediziner und Biowissenschaftler. 266 Seiten. 90 Abbildungen. 11 Tabellen.
München - Wien - Baltimore: Urban & Schwarzenberg Verlag 1994. ISBN 3-541-11841-5
Dr. med. Stefan Bilger,
Facharzt für Allgemeinmedizin, Umweltmedizin, Bahnhofstr. 6,
69221 Dossenheim, Tel. 06221 / 869575, Fax 06221 / 864103
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